Länderheft O Brasil[ Blick hinter die Kulissen ] [ "Entdeckung" der Neuen Welt ] [ Die Einwandererkirche ] [ Geld oder Leben und Antworten der Kirche ] [ Entwicklungsplan Amazonien ] [ Menschen im Urwald ] [ Der Anfang vom Ende ] [ Convivencia ] [ Anhang zur Ausstellung ] Entwicklungsplan AmazonienGliederung:
Was sich heute in Amazonien abspielt, ist in vieler Hinsicht typisch für die Entwicklung Brasiliens und der Dritten Welt. 1970 wurde der "Entwicklungsplan für Amazonien" veröffentlicht. Dieser Plan war weitab von Amazonien im Süden Brasiliens geschmiedet worden. Er hatte folgende Ziele: Unter dem Amazonaswald schlummern riesige Lager an Bodenschätzen. Große Flächen sollten für die Landwirtschaft genutzt werden. Die Ausbeutung von Amazonien sollte Brasilien reich machen. Der Einsatz moderner Technik hatte Millionen im Süden und Nordosten Brasiliens heimat- und arbeitslos gemacht. Nun wollte man die "Menschen ohne Land in das Land ohne Menschen locken". Der Urwald Amazoniens war für die Militärs nicht kontrollierbar. Die generalstabsmäßige Erschließung sollte mehr Kontrolle, Macht und Einfluß über den nördlichen Teil des Landes gewährleisten.
Die Entwicklungsplaner in der Hauptstadt nahmen nicht zur Kenntnis, daß das Amazonasgebiet schon lange nachhaltig genutzt wurde. Die Indianervölker wußten aus dem Regenwald alle für ihr Leben notwendigen Güter wie Nahrungsmittel, Heilpflanzen und Baustoffe zu gewinnen. Die Seringueiros, die Nachkommen der Kautschukzapfer aus der Zeit des Gummibooms, hatten ebenfalls gelernt, den Wald durch Sammeln von Kautschuk und Paranüssen wirtschaftlich zu nutzen, ohne ihn dabei zu zerstören. Auf die Belange dieser Gruppen nahm die Planung keine Rücksicht. "Der industrielle Süden von Brasilien und die gesamte Welt-Technokratie sehen Amazonien als leeren Raum, der mit ihren Kapitalinteressen gefüllt werden soll ohne Rücksicht auf die Einwohner der Wälder" (José Lutzenberger)
Bei der Entwicklungsplanung ging es in erster Linie um technische Gesichtspunkte. Von Interesse waren Fragen wie: Wo gibt es welche Bodenschätze, welche Flußläufe kommen für große Staudämme in Frage, wo kann man Häfen bauen? Grundstücke für die Ansiedlung von Einwandererfamilien, für die Anlage von riesigen Viehfarmen oder für die Anlage von Nutzwäldern wurden schematisch vermessen. Nicht berücksichtigt wurden die Lebensbedingungen für Menschen, Pflanzen und Tiere des Urwalds sowie ökologische Fragen wie Bodenfruchtbarkeit oder Klimakreislauf. "Wenn Entwicklung als technischer Begriff verstanden wird, dann wird damit auch der Erfolg auf die Erreichung der rein technischen Vorgaben reduziert, ohne daß Nebenwirkungen im sozialen und kulturellen Bereich dabei eine Rolle spielen."(Franz Bliss, Ethnologe, 1988)
Der Entwicklungsplan Amazoniens diente vor allem den Interessen in- und ausländischer Konzerne und Großgrundbesitzer:
Beim Entwicklungsplan für Amazonien geht es nur um ökonomische Interessen. Ökologische Gesichtspunkte bleiben auf der Strecke. Doch die Vernichtung von riesigen Waldflächen hat verheerende Folgen für die Natur in dieser Region. Anders als in Mitteleuropa sind die Nährstoffe nicht im Boden, sondern in der Vegetation gespeichert. Nur als Ganzes kann das komplexe Ökosystem Regenwald auf den nährstoffarmen Böden überleben. Stirbt der Wald, stirbt auch das Leben. Der Regenwald ist zudem eine riesige in sich geschlossene Wettermaschine. Wird der Wald großflächig zerstört, bleibt bald im Landesinneren der Regen aus. "Wo der Weiße hintritt, läßt er eine Wüste zurück." (Indianerweisheit)
Wie wir mit Gottes Schöpfung umgehen, hängt davon ab, aus welchem Blickwinkel wir sie betrachten. So ist ein Amazonasbaum
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