Länderheft O Brasil[ Blick hinter die Kulissen ] [ "Entdeckung" der Neuen Welt ] [ Die Einwandererkirche ] [ Geld oder Leben und Antworten der Kirche ] [ Entwicklungsplan Amazonien ] [ Menschen im Urwald ] [ Der Anfang vom Ende ] [ Convivencia ] [ Anhang zur Ausstellung ] Geld oder Leben und Antworten der KircheGliederung: CPT - Kommission für die Landpastorale
Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden größere Industrieansiedelungen in Brasilien. Zentrum wurde São Paulo. Hier war das Geld der alten Kaffeebarone konzentriert und hier gab es infolge der Einwanderung aus Europa, aber auch aus Japan, genügend qualifiziertes Handwerkspersonal. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 war Brasilien vom Weltmarkt abgeschnitten. 1930 putschte sich Getúlio Vargas an die Regierung. Er schuf den Estado Novo, den neuen Staat. Getragen wurde der Estado Novo von einer neuen Wirtschaftspolitik, der "Importsubstitution": Industrieprodukte, die zuvor aus dem Ausland importiert werden mußten, sollten nun im eigenen Land produziert werden. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde damit eine innengeleitete, das heißt auf den eigenen Markt orientierte Wirtschaftspolitik verfolgt. "Non ducor duco. (Ich werde nicht geführt, ich führe.)" (Motto aus dem Stadtwappen von São Paulo)
Nach dem 2.Weltkrieg wurden transnationale Konzerne ermuntert, Niederlassungen in Brasilien zu gründen. So entstand eine moderne, vom Ausland kontrollierte Automobil-, Elektro-, Chemie- und Pharmaindustrie. Diese Industrialisierung schuf relativ wenig neue Arbeitsplätze und produzierte vor allem Güter für den Export. Sie ging an den Bedürfnissen des größten Teils der Bevölkerung vorbei. Das neue Industrialisierungsmodell war bald nur noch durch den Einsatz militärischer Gewalt sicherzustellen. Als 1964 eine links-liberale Regierung zusammen mit den Gewerkschaften wirtschaftliche Reformen zugunsten der Armen durchsetzen wollte, putschte das Militär. Jeder Protest wurde fortan mit Gewalt unterdrückt. "Ein günstiges politisches Klima ist die conditio sine qua non (Grundvoraussetzung) für Direktinvestitionen. Begünstigend ist, wenn die Regierung innenpolitische Stabilität verbunden mit Sicherheit des Kapitals vor staatlichen Zugriffen verspricht." (Die deutschen Wirtschaftstheoretiker Wolffsohn und Niederfeld über die Ansiedlung deutscher Unternehmen in Brasilien, 1985) Exponat: Quarup sete quedas
Mit der Machtübernahme durch das Militär wurden wesentliche Bürgerrechte abgeschafft, 1968 der Ausnahmezustand verhängt. Zur ständigen Verletzung der menschlichen Würde durch das System traten Unterdrückung und Folter durch die Machthaber. Die katholische Kirche Lateinamerikas kennzeichnet diese Situation in zwei Bischofskonferenzen 1968 und 1979 als Sünde. Sie stellt sich auf die Seite der Armen und Unterdrückten. Sie beruft sich darauf , daß auch in der Bibel Gott eindeutig für die Unterdrückten Partei nimmt. Auch die Evangelische Kirche bezieht kurz danach im "Manifest von Curitiba" öffentlich Stellung für die Armen und Unterdrückten, gegen Repression und die Verletzung der Menschenrechte. "Kirchliche Basisgemeinschaften helfen, den Egoismus in der Gesellschaft in Frage zu stellen, und machen die Berufung der Gemeinschaft mit Gott deutlich, indem sie Anstoß zum Aufbau einer neuen Gesellschaft geben, der Zivilisation der Liebe." (Aus dem Dokument der katholischen Bischofskonferenz von Puebla, 1970)
"Dort, wo unser christliches Gewissen anklagt, erhebt das Evangelium seine prophetische Stimme, um zur Umkehr zu rufen, zur Befreiung und zur radikalen Veränderung. Das Evangelium ist Christus selbst, der die gefallene Welt erlitt, um den sündigen Menschen zu befreien. In seinem Kreuz bekennen wir die Tat Gottes. Deshalb sind wir heute nicht in der Lage, Gott im Fortschritt zu sehen, sondern in denen, die durch den Fortschritt zermalmt werden; auch nicht in der Macht, sondern in denen, die durch die Macht niedergeschlagen werden; nicht im Geld, sondern in denjenigen, die nicht einmal das Elementarste für ihr Leben kaufen können. Gott leidet und befreit zugleich - auch heute noch. Auf diese Weise ist uns Christen eine Neutralität nicht möglich. Wir sind zur Parteinahme aufgerufen." (Aus dem Manifest von Curitiba, IECLB,1970)
Nirgendwo auf der Welt sind die Gegensätze zwischen arm und reich so krass wie in Brasilien: Einige wenige verfügen über fast allen Besitz und den Großteil des Einkommens im Lande. Auf der anderen Seite lebt über die Hälfte der Bevölkerung in drückender Armut. Viele können sich nicht einmal die nötigen Nahrungsmittel leisten. Nach Schätzungen wird ein Sechstel der Bevölkerung wegen Unterernährung in der Kindheit ein Leben lang geistig behindert sein. "Es gibt mindestens zwei verschiedene Brasilien. Das eine ist das durch die Regierung vertretene und das andere sind die 70 - 80 Prozent der Bevölkerung, die das arme Brasilien ausmachen. Das ist eine Situation der sozialen und wirtschaftlichen Unterdrückung." (Dom Reinaldo Pünder, Bischof von Coroatá, Nordbrasilien)
Kirchen, Gewerkschaften, Volksorganisationen sind sich einig: Die ungleiche Verteilung von Land stellt eines der größten Probleme Brasiliens und des ganzen lateinamerikanischen Subkontinents dar. Schon zu Beginn der kolonialen Eroberung vor 500 Jahren wurden den indianischen Gemeinschaften große Teile des fruchtbaren Bodens genommen. Das Land geriet in die Hände einer kleinen Schicht von adligen aus Europa. Damit waren die Bedingungen für den bis heute bestehenden Großgrundbesitz geschaffen. Die ursprünglichen Eigentümer, die indianischen Völker, wurden dezimiert, vertrieben, ermordet, bzw., soweit sie sich dem Zugriff nicht entziehen konnten, gezwungen, auf den Fazendas (Großgüter, Plantagen) zu arbeiten. Da sich die Indianer gegenüber der ausbeuterischen Wirtschaftsweise der Plantagenbesitzer als ziemlich resistend erwiesen, wurde ihre Zahl durch Sklaven aus Afrika "ergänzt". Einwanderer aus Europa, die als Siedler gewonnen wurden, bildeten seit dem 19. Jhdt., vor allem im Süden Brasiliens eine dritte Gruppe der Landbevölkerung. Die ganz überwiegende Zahl der brasilianischen Kleinbauern mußte sich in "Nischen" einrichten, auf Land ohne gesicherte Besitztitel oder als Halbpächter. Land, das die erste und wichtigste Lebensgrundlage sein sollte, ist zum stets gefährdeten, nie gesicherten Gut geworden. Heute haben international-tätige Großkonzerne, brasilianische Großunternehmer und Bodenspekulanten teilweise die Rolle der früheren "Fazendeiros" (Großgrundbesitzer) übernommen. Auch heute wird vor allem für den Export produziert, soweit das Land nicht ungenutzt brachliegt oder der Spekulation dient. Alle Versuche der Landreform scheiterten bisher am Widerstand der Besitzenden und Mächtigen. Als Präsident Goulart 1964 dem Kongreß vorschlug, Entschädigung nicht sofort in Geld zu leisten, weil dies den Staat heillos überfordert hätte, putschten 2 Tage später die Militärs. Die Hoffnungen auf Landreform mußten für weitere Jahrzehnte begraben werden. "Wenn jeder "bóia fria" (Tagelöhner auf Landgütern) sein Stückchen Land zum Leben hätte, sein Feld bebauen könnte, dann wäre die ganze, fast die ganze Armut in Brasilien vorbei." (Eine Migrantin aus Dobrada)
Im November 1982 wurde der Nationale Rat Christlicher Kirchen (CONIC) in Brasilien gegründet. Ihm gehören neben fünf protestantischen Kirchen auch die römisch-katholische Kirche an. Damit wurde Aktivitäten und Gesprächen entsprochen, die in den Gemeinden längst begonnen hatten. Obwohl die protestantischen Kirchen zusammen nur einen Bruchteil der Mitgliederzahl ihrer römisch-katholischen Schwesterkirche erreichen, ist der nationale Kirchenrat bemüht, Gleichberechtigung zu praktizieren. Die Standfestigkeit des CONIC beruht auf der Einsicht in die Notwendigkeit der Zusammenarbeit angesichts des großen Elends. Millionen Menschen hören in den christlichen Gemeinden das Wort der Hoffnung und machen die Erfahrung, daß es nur gemeinsam gelingt, die Situation zu ändern. "Es geht nicht mehr um Wirtschaft und Politik, sondern um Leben und Tod, deshalb handelt es sich hier um eine Glaubensfrage." (Pastor Silvio Schneider, Pressesprecher der IECLB)
Die ständige Verlagerung der Wirtschaftszentren Brasiliens machte immer wieder viele Menschen heimatlos: Da, wo sie bisher lebten, fanden sie nun kein Auskommen mehr. Im Kampf ums Überleben folgten sie den Wanderungen des Geldes. Heute gibt es noch eine Reihe anderer Gründe für die Migration vieler Menschen: Familien werden von ihrem Land vertrieben, wenn Platz für ein Großprojekt, beispielsweise einen Staudamm, gebraucht wird. Andere Kleinbauernfamilien können ihr Land nicht halten, weil sich die Landwirtschaft immer mehr an industriellen Maßstäben orientiert. Sie müssen ihr Land an Großgrundbesitzer verkaufen. Maschinen übernehmen die Arbeit auf den Feldern. Auch die schlechter werdenden Umweltbedingungen zwingen Menschen zum Verlassen ihres Wohnorts. "Die Mächtigen verrücken Feldergrenzen, den kleinen Leuten stehlen sie die Herden." (Hiob 24)
Die IECLB steht durch den Exodo Rural, die Landflucht, vor einer neuen Situation. Hunderttausende ihrer Mitglieder aus dem Süden des Landes verkaufen alles und ziehen einem unbekannten Ziel entgegen. Viele von ihnen gehen in die Städte, andere ins Amazonasgebiet. Wie vor 150 Jahren sind sie jetzt wieder am Anfang. Es entstehen neue Gemeinden. "Seit langem dringt die IECLB auf eine gerechtere Landverteilung. Nur so ist das Problem der landlosen Bauern zu lösen und die riesige Wanderungsbewegung zu stoppen. Die IECLB ist bemüht, den Bauern auf seinem Grund und Boden zu halten. Trotzdem glaubt sie, die abgewanderten Glieder nicht allein lassen zu dürfen." (Erklärung der IECLB zur Landflucht, 1988)
Eine Antwort der IECLB auf die Landflucht ist die Gründung von Kleinbauernberatungszentren (CAPA). Hier werden zusammen mit den Familien Modelle entwickelt, die das Leben auf dem eigenen Hof gewährleisten. Ökologischer Landbau, das direkte Vermarkten der Erzeugnisse und wechselseitiges Lernen stehen im Mittelpunkt. Ein weiteres Beispiel ist das ökologische Landbauprojekt in Panambi. Mit Hilfe von Brot für die Welt werden in einem Modellbetrieb ökologische Denk- und Handlungsweisen gefördert. Für die Bevölkerung einer nahegelegenen Stadtrandsiedlung ist zudem ein biologischer Gemeinschaftsgarten eingerichtet worden, der in Selbstverwaltung funktioniert. Kleinbauernfamilien und Randgruppen entdecken die Bibel neu. Sie erfahren, daß auf dem Bauen und Bewahren Segen liegt. Sie sehen, wie ihre Unabhängigkeit von den Großhändlern wächst. "Von allen christlichen Kirchen ist die IECLB die einzige, die das ökologische Anliegen in ihrem Herzen hat." (Carlos Avelin, Vorsitzender der Weltvereinigung ökologischer Gruppen) CPT - Kommission für die Landpastorale
Angesichts der großen Dringlichkeit der Landproblematik für den überwiegenden Teil der brasilianischen Bevölkerung haben die Kirchen 1975 die "Commissão Pastoral da Terra" (Kommission für die Landpastoral, CPT) gegründet. Sie ist der katholischen Bischofskonferenz organisatorisch angegliedert, jedoch in Leitung, Finanzierung und Basisarbeit stark ökumenisch ausgerichtet. Das Nationale Sekretariat in Goiânia berät und koordiniert 21 Regionalteams. Das zentrale Anliegen der CPT ist das Eintreten für eine effektive AGRARREFORM und eine auf die Kleinbauern ausgerichtete Agrarpolitik. Zu den Aufgaben der CPT gehört vor allem:
CPT wurde mehr und mehr auch auf internationaler Ebene tätig und schickte zum Beispiel Beobachter zu den GATT-Verhandlungen und zu Gesprächen der EG über Agrareinfuhrbeschränkungen. Die Organisation erhielt 1991 den alternativen Nobelpreis, gemeinsam mit der Landlosenbewegung (MST). Misereor und Brot für die Welt haben den Aufbau und die Arbeit der CPT über viele Jahre nachhaltig unterstützt. "Mein Volk will nicht überleben, mein Volk will leben". (indianischer Bauernführer 1984 in Brasilia)
Für Hunderttausende, die jährlich neu in die Städte kommen, gibt es keine Wohnungen. Sie bauen am Stadtrand dürftige Behausungen. So entstehen ständig neue Favelas - Elendsviertel - ohne Gesundheitsstationen, Schulen oder Sanitäreinrichtungen. Die meisten Menschen finden keinen Arbeitsplatz. Für viele ist Prostitution, Kriminalität und Drogenhandel der letzte Ausweg. Auch jene, die Arbeit finden, kommen aus dem Elend nur schwer heraus: Selbst in Sozialwohnungen sind die Mieten für viele unbezahlbar. So bleibt die Favela der letzte Ausweg. Die langen und beschwerlichen Fahrten zur Arbeitsstätte verschlingen dann nicht selten ein Drittel des Arbeitslohnes. "Es wird nötig sein, alle 30 Jahre ein großes São Paulo zu errichten." (Prof. Vera Franca Leite, Kath. Universität Goiãnia)
Mauá ist eine Ansiedlung am Rand von São Paulo. Mitten im Häusermeer liegt die "Casa Mateus" der IECLB. Die Pastorin Haidi Jarschel leitet dieses Gemeindezentrum. Sie weiß, daß es nur zusammen mit den movimentos, den Volksbewegungen, gelingen kann, die notwendigen Veränderungen zu bewirken. Eine Frauengruppe hat sich gebildet, die das Überleben täglich neu erkämpft. Eine eigene Eisenbahnstation in der Nähe und eine Gesundheitsstation sind Erfolge dieser Arbeit. Das Herzstück der Casa Mateus ist jedoch eine Kindertagesstätte, in die täglich 150 Kinder kommen. Nun kämpfen die Frauen für eine Säuglingskrippe, damit sie die Kleinen nicht mehr einsperren müssen, wenn sie in die Stadt zur Arbeit fahren. Die Arbeit in und mit den Volksbewegungen ist im pastoralen Verständnis der IECLB ein neuer Weg. "Hier sind Frauen der Motor der Bewegung und Entwicklung. Wir merken, daß der Kampf der Frauen ganz anders ist als der der Männer. Die Frauen sind ganz nah dran am Alltag, an den grundlegenden Lebensbedingungen, die wir für unsere Existenz brauchen." (Haidi Jarschel, IECLB)
Aus den USA stammen die meisten transnationalen Unternehmen, die sich in Brasilien niedergelassen haben. An zweiter Stelle folgt die Bundesrepublik Deutschland. Die Erfahrungen der brasilianischen Arbeiterschaft mit ihren ausländischen Arbeitgebern sind gemischt: Zwar sind die Löhne für einen Teil der Belegschaft besser als bei einheimischen Firmen. Mit Europa verglichen sind die Arbeitsbedingungen jedoch unerträglich: Oft erfolgen Entlassungen, kurz bevor eine längere Betriebszugehörigkeit höheren Schutz bieten würde. Halb- und Unqualifizierte werden häufig ausgetauscht, damit sie stets in den niedrigsten Lohngruppen bleiben. Die meisten von ihnen sind so nach spätestens einem Jahr wieder arbeitslos. In vielen Fällen ist jede gewerkschaftliche Betätigung strikt untersagt. "Unsere Welt ist voller Ärgernisse, die eine die Gewissen abstumpfende Industriezivilisation gibt. Es ist ein Ärgernis, wenn z.B. die Auslandstöchter deutscher Unternehmen sich unter ihrem einheimischen Regime zwar legal, als Arbeitgeber aber so verhalten, wie sie sich hierzulande niemals verhalten dürften, noch überhaupt könnten." (Dr. Werner Remmers, CDU Niedersachsen über VW do Brasil)
Die Probleme der Menschen in der Dritten Welt haben ihren Ursprung auch im Wirtschaftsverhalten der Industrienationen. Daher müssen unsere Kirchen ungerechte Wirtschafts- und Machtverhältnisse öffentlich beim Namen nennen und Hilfe zur Neuordnung leisten. Denn Jesus Christus stand auf der Seite derer, die unter ungerechten Verhältnissen zu leiden hatten. Er selbst wurde Opfer der Mächtigen. "Wirtschaftsfragen sind nicht wertneutral, es stehen Menschenleben, und zwar millionenfach auf dem Spiel. Die Probleme haben eine interne und eine externe Dimension: Sowohl Sie in Deutschland tragen an der Verantwortung mit, wie auch wir hier. Es geht nicht darum, daß wir hier einseitig vorgehen, sondern wir müssen - jeder auf seinem Gebiet - gemeinsam zu Aktionen gelangen." (G. Brakemeier, Präsident der IECLB)
In den 80er Jahren war Brasilien das am höchsten verschuldete Land der Dritten Welt. Zeitweise exportierte Brasilien doppelt soviel Waren wie es importierte - und konnte mit diesen Überschüssen gerade seine Zinsen bezahlen. Durch gigantische Ausgaben für Kraftwerke, Straßen und die Erschließung Amazoniens wuchs der Schuldenberg in den 70er Jahren ins Uferlose. Diese Investitionen waren nötig, um ausländische Konzerne ins Land zu locken, die heute dort zu günstigsten Bedingungen für den internationalen Markt produzieren können. Die Kosten trägt vor allem das Volk: Was es produziert, braucht der Staat, um seine Schulden im Ausland zu bezahlen. Für Bildung und Sozialprogramme bleibt nichts übrig. "In Euren Häusern liegt das geraubte Gut der Armen." (Jes. 3.14)
"Die fünfte Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Nairobi 1975) stellte fest: 'Während wir einen Christus bekennen, der befreit und eint, zeigt sich in den Wirtschaftsstrukturen, in denen wir leben, eine Tendenz zur Entzweiung und zur Versklavung durch das Geld.' Wir stellen fest, daß Bemühungen, diese Wirtschaftsordnungen aus dem christlichen Glauben heraus zu rechtfertigen, dem Evangelium widersprechen und von Christen in der schärfsten Form zu verurteilen sind. Wir stellen fest, daß Kirchen und Christen, die dem Gebot Christi folgen wollen, Bemühungen um eine gerechte und partizipatorische Wirtschaftsordnung, die das Recht aller Menschen auf Leben garantiert, fördern und unterstützen sollten. Wir rufen Kirchen, Gemeinden und Basisgemeinden sowie Gruppen und Bewegungen auf zu einem Bundesschluß für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung." (Aufruf von São Paulo, gemeinsame Erklärung einer ökumenischen Versammlung, 1987) |