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Länderheft O Brasil


 [ Blick hinter die Kulissen ]  [ "Entdeckung" der Neuen Welt ]  [ Die Einwandererkirche ]  [ Geld oder Leben und Antworten der Kirche ]  [ Entwicklungsplan Amazonien ]  [ Menschen im Urwald ]  [ Der Anfang vom Ende ]  [ Convivencia ]  [ Anhang zur Ausstellung ]

"Entdeckung" der Neuen Welt

Gliederung:

Der indianische Kontinent

Terra do brasil

Die Sklavenkolonie

Goldrausch

Böses Erwachen

Fortschritt aus dem Urwald


Der indianische Kontinent

  • Gemälde: Indianerin mit Kind und landwirtschaftlichen Geräten (von einem niederländischen Reisenden des 17 Jhd.)
  • Indianischer Ritualfächer

Die Europäer, die Amerika "entdeckten", fanden keine unbewohnte Wildnis vor. Rund fünf Millionen Indianerinnen und Indianer haben nach Schätzungen um 1500 im Gebiet des heutigen Brasilien gelebt.

Über ihre Kultur und Geschichte wissen wir wenig: Anders als etwa in den Anden sind aus jener Zeit in Brasilien keine Bauten oder Gegenstände mehr erhalten. Der saure Boden unter den Amazonaswäldern führt zu einer schnellen Verrottung. Zuverlässige schriftliche Überlieferungen gibt es fast keine. Für den überwältigenden Teil der "weißen" Brasilianerinnen und Brasilianer waren und sind die Indianervölker bis auf den heutigen Tag keiner Erwähnung wert.

Heute leben noch etwa 200.000 Angehörige der Urbevölkerung in Brasilien

 

" Das Reich der Parecis war groß. Der Indianer des Plateaus waren so viele, daß man sie nicht zählen konnte. Von den Dörfern zählten einige bis zu 30 Häuser. Sie lebten von der Landwirtschaft, pflanzten Maniok, Mais und Bohnen und Ananas, aus denen sie ihren Wein erzeugten."(Aus einem Reisebericht des 18. Jahrhunderts)

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Terra do brasil

  • Erste Landkarte, auf der Amerika (als dünnes Band) gezeigt wird
  • Gemälde : Priester mit erhobenem Zeigefinger vor Indianern

Am 22. April 1500 erreichte der portugiesische Seefahrer Pedro Alvarez Cabral die Küste südlich vom heutigen Salvador. Er ließ ein Kreuz in die Erde rammen. Damit war das Land in Besitz genommen.

Terra do brasil: Der Name der neuen Kolonie stammt von der einzigen Ware, deren Ausbeutung sich zu lohnen schien. Brasilholz, das tiefrote Holz der Küstenwälder, diente zur Herstellung von Farbstoff. Es wurde das erste Exportprodukt.

Das portugiesische Königshaus hatte an der neuen Kolonie wenig Interesse, da kein Gold gefunden wurde. Es verteilte den Küstenstreifen an verdiente und vor allem finanzkräftige Gefolgsleute. Sie lebten in Portugal. Ihr Ziel war, aus der Kolonie so schnell wie möglich herauszuholen, was nur ging. Diese Denkweise hat sich in Brasilien bis heute erhalten.

 

"Wenn die Heiden (gemeint sind die Indianer) unterworfen und entmachtet würden, würden sie ihren Schöpfer und die Gefolgschaft ihrer Hoheit kennen. Unser Herr Jesus Christus gewänne viele Seelen und Eure Hoheit reichen Ertrag in diesem Land." (Manoel da Nobrega, der erste Jesuitenprovinzial, an den portugiesischen König, 1558)

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Die Sklavenkolonie

  • Grafik: Dreieckshandel
  • Gemälde: Zuckermarkt

Salvador wurde die erste Hauptstadt der Kolonie, die zu dieser Zeit vom Zuckerrohranbau in Plantagen lebte. Die gesamte Produktion war auf ein Produkt ausgerichtet und ausschließlich für den Export bestimmt.

Da die Indianer an den harten Arbeitsbedingungen auf den Plantagen zugrunde gingen, wurden in Westafrika Menschen gejagt und millionenfach nach Brasilien in die Sklaverei verschleppt. Einige wenige Großgrundbesitzer gelangten so zu extremem Reichtum.

Mitte des 17. Jahrhunderts entdeckte Europa die Zuckerrübe. Der Zuckerexport Brasiliens sank jäh auf die Hälfte. Die vormals fruchtbaren Böden blieben unbestellt und trockneten aus. Wo früher das wirtschaftliche Zentrum war, herrscht heute Trockenheit, Dürre und Armut.

 

"Wer viel Sklaven hat, ist reich, weil die Portugiesen nichts arbeiten und die Schwarzen sie erhalten müssen." (Der Reisende A. J. Ultzheimer, 1610)

 

Exponat: Das Sklavenschiff (Heinrich Heine)

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Goldrausch

  • Kirche in Ouro Preto, innen ganz mit Gold ausgeschmückt
  • Mannesmann-Werk in Belo Horizonte

1694 wurde in Minas Gerais ("allgemeine Minen") Gold gefunden. Der wirtschaftliche Schwerpunkt der Kolonie verlagerte sich ins Landesinnere. Ouro Preto ("schwarzes Gold") wurde innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der reichsten Städte Amerikas.

Doch auch der neue Reichtum blieb nicht im Land. Anstatt in die Entwicklung Brasiliens zu investieren, leisteten sich die Reichen englische Industrieprodukte.

Nach 100 Jahren waren die wichtigsten Goldvorkommen aufgebraucht. Die Minenbesitzer zogen weiter. Die Arbeiter und die Kleinbauernfamilien blieben.

Heute ist Minas Gerais dank immer noch bedeutender Erzvorkommen eines der Zentren der Hüttenindustrie.

 

"Eine Nation kann nicht all ihre Hoffnungen in die Erzeugung von Rohstoffen für ausländische Märkte setzen. Ein Volk ohne Manufakturen bleibt immer in der Abhängigkeit von anderen Völkern." (Alves Branco, brasilianischer Minister, 1844)

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Böses Erwachen

  • Grafik: Es werden die verschiedenen Wirtschaftszyklen zeitlich und regional dargestellt.
  • Kaffeeanbau unter Schattendach

Ab 1820 stürzte sich Brasilien auf ein neues Exportprodukt: Europa wurde müde und brauchte Kaffee.

Wieder wurde eine neue Region erschlossen, "wanderte" das wirtschaftliche Zentrum des Landes, diesmal nach Süden: In der Region São Paulo entstanden riesige Kaffee-Plantagen. Brasilien wurde abhängig vom Kaffee-Export. 1906 wurde die Währung des Landes an den Weltmarktpreis für dieses Produkt gekoppelt.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 1929 geriet diese Abhängigkeit zum Verhängnis: Obwohl 78 Millionen Sack Kaffee verbrannt und in Lokomotiven verheizt wurden, war der Preissturz nicht aufzuhalten. Brasilien war hoch verschuldet und für einige Jahre praktisch vom Weltmarkt abgeschnitten.

Noch heute ist der Kaffeexport ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Nach wie vor leidet das Land unter schwankenden Weltmarktpreisen.

 

"Sie werfen den Weizen ins Feuer,

sie werfen den Kaffee ins Meer.

Und wann werfen die Säckeschmeißer

Die fetten Räuber hinterher?"

(Berthold Brecht)

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Fortschritt aus dem Urwald

  • Kautschukbaum mit den typischen Zapfmustern, davon ein Pfeil zu Kautschukballen und Säcken für den Export, davon Pfeile zu alten Plakaten, die für Autoreifen , Fahrradreifen und Gummischuhe werben.

Am Ende des letzten Jahrhunderts war auch der Urwald Amazoniens für kurze Zeit Schauplatz eines Booms. Die Industrien Europas brauchten Gummi, und Kautschukbäume wuchsen nur in Amazonien.

Zu Tausenden wurde die arme Landbevölkerung zum Kautschukzapfen in den Urwald geschafft. Die Löhne waren sehr gering. Für Transport und Nahrungsmittel mußten die Menschen jedoch teuer bezahlen. Brasilianische Gummibarone und ausländische Handelsgesellschaften verdienten blendend und machten Manaus zur blühenden Stadt

Als es gelang, Kautschukbäume auch in Plantagen anzubauen, fiel der Weltmarktpreis 1913 auf ein Viertel zurück.

Der Boom war vorbei. Was blieb, waren ein prachtvolles Opernhaus in Manaus und die Familien der Kautschukzapfer, die lernen mußten, im Urwald zu leben.

 

Exponat: Kautschuk

  • Kautschukmesser, Feilen und Naturkautschuk
  • Kautschuksammler bei der Arbeit.

Noch heute wird in Amazonien mit dem traditionellen Werkzeug Naturkautschuk gewonnen

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