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Länderheft O Brasil


 [ Blick hinter die Kulissen ]  [ "Entdeckung" der Neuen Welt ]  [ Die Einwandererkirche ]  [ Geld oder Leben und Antworten der Kirche ]  [ Entwicklungsplan Amazonien ]  [ Menschen im Urwald ]  [ Der Anfang vom Ende ]  [ Convivencia ]  [ Anhang zur Ausstellung ]

Der Anfang vom Ende

Gliederung:

Wüste Entwicklung

Cowboys mit Nadelstreifen

Eiserner Vorhang

Der Wald ertrinkt

Kriegserklärung

Geld und Gott

Recht schaffen


 Exponat: Straßen

  • Autokennzeichen von Porto Velho, Asphalt aus dem Amazonasgebiet

Wüste Entwicklung

  • Schmale Straßenspur im Urwald
  • Grafik mit demselben Motiv; allerdings ist das Gebiet links uns rechts bereits in Parzellen aufgeteilt, Bergwerk, Kraftwerk, Fabrik, Farm, Stadt und Siedlerkolonie vorhanden.

Die Erfahrung in Amazonien zeigt: Ist erst einmal eine Straße gebaut, interessieren sich kapitalkräftige Unternehmen für die Region: Großfarmen werden angelegt, Bodenschätze werden ausgeforscht und zu Tage gefördert, Industriebetriebe siedeln sich an, die die Bodenschätze verarbeiten. Staudämme werden gebaut, um die Industrie mit Strom zu versorgen.

Die Erstsiedlerfamilien werden an den Rand gedrängt oder sie siedeln als billiges Arbeitskräftereservoir für die Industrie in den Slums der wuchernden Städte.

Aus dem tropischen Regenwald wird eine Industriewüste.

"Die Unterentwicklung ist keine Phase der Entwicklung, sondern ihre Folge."(Eduardo Galeano)

Seitenbeginn

Cowboys mit Nadelstreifen

  • Reiter an einem Zaun: Auf der einen Seite Buschlandschaft, auf der anderen brennt der Wald
  • Rinderherde, davor VW-Schild

Firmen und reiche Privatleute aus dem In- und Ausland haben sich große Ländereien in Amazonien erworben. Um Steuergeschenke zu nutzen, verwandeln sie den Urwald in Weideflächen.

Das Gebiet ist für die Viehwirtschaft nicht geeignet. Selbst Farmen, die nach neuesten Erkenntnissen geführt werden, bringen nicht mehr als ein Zehntel des in Europa üblichen Ertrags. Oft werden sie nach wenigen Jahren aufgegeben. Die Folge ist Versteppung - denn bei großflächiger Zerstörung regeneriert sich der Regenwald nicht mehr.

Es entstehen auch kaum neue Arbeitsplätze. Die Großfarmen sind in der Regel moderne Agrarbetriebe, in denen Maschinen die Arbeit verrichten.

"Wo der Ochse kommt, da müssen wir gehen, da kommt der Hunger." (Sprichwort aus dem Amazonasraum)

Seitenbeginn

Eiserner Vorhang

  • Montage: Grenzstation am Eingang von Carajás, auf der einen Seite davon Mustersiedlung, auf der anderen Seite Slums

Mitte der 60er Jahre werden in Carajás riesige Erzvorkommen entdeckt. Urwaldgebiet in einem Umkreis von 60 km wird in Minen und Hüttenwerke verwandelt. Eisenbahnlinien von 700 km Länge, ein Stausee zur Elektrizitätsgewinnung in der Größe des Saarlandes und Aluminiumwerke entstehen. Das gesamte Amazonasdelta ist zur Vernichtung freigegeben.

Viele Brasilianerinnen und Brasilianer wandern nach Carajás in der Hoffnung auf Arbeit. Dort aber stehen sie vor verschlossenen Schranken. Carajás ist ein abgeschlossenes Gebiet. Nur wenige Auserwählte dürfen hinein. Für sie werden schmucke Häuschen gebaut.

Vor den Schranken wachsen die Slums - die Unterkünfte der Menschen, die hoffen, irgendwann jenseits der Sperren gebraucht zu werden.

"Wir reichern Autos mit Aluminium an, um sie leichter zu machen und um so den Benzinverbrauch zu senken. Dort werden in einem Stauwerk 60% bis 70% der Kapazität allein für eine Aluminiumfabrik gebraucht. Was hier vielleicht an Erleichterung kommt, haben wir dort an Zerstörung." (Willi Hoß, ehem. Bundestagsabgeordneter der Grünen)

Seitenbeginn

Der Wald ertrinkt

  • Abgestorbene Bäume ragen im Überflutungsgebiet aus dem Wasser
  • Algenverpestete Brühe unterhalb der Staumauer

Eines von über 100 Wasserkraftwerken, die die brasilianische Energiebehörde in Amazonien bauen will, entstand in Balbina, 200 km nördlich von Manaus.

Als 1987 die Schleusen geschlossen wurden, versank ein riesiges Stück Regenwald in den Fluten. Nun verfaulen die Bäume im Wasser; dabei werden riesige Mengen CO2 und Faulgase freigesetzt, die die Ozonschicht der Erde angreifen. Der Fäulnisprozess begünstigt das Wachstum von Seegras; auf dem See bildet sich ein dichter Pflanzenteppich. Als Folge sterben die Fische.

In heißen Monaten müssen die Turbinen abgeschaltet werden, weil mehr Wasser im See verdunstet als nachfließt.

Von Balbina profitieren vor allem ausländische Firmen, die in der Freihandelszone Manaus den Strom zu einem Spottpreis erhalten.

"Ist es euch nicht genug, das beste Gras zu fressen? Warum zertrampelt ihr den Rest? Ist es euch nicht genug, das klare Wasser zu trinken? Warum wühlt ihr auch noch den Schlamm vom Grund auf? Meine Schafe müssen fressen, was ihr zertrampelt habt, und trinken, was ihr verschmutzt habt." (Ez. 34,18)

Seitenbeginn

Kriegserklärung

  • Soldaten im Dschungel
  • Soldaten durchwaten einen Fluß

1986 wird ein geheimes Militärprojekt bekannt, Calha Norte, auf deutsch "Nordgraben". Die gesamte Nordgrenze soll auf einer Breite von 150 km militärisch gesichert werden. Begründet wird das Projekt mit der Gefahr der kommunistischen Unterwanderung, mit angeblichen Guerilla-Überfällen aus Peru und mit dem Koka-Krieg in Kolumbien.

Allerdings: Nach Schätzungen liegen 40% der Bodenschätze Amazoniens unter Indianerland, die meisten im Grenzgebiet. Indem das Gebiet zur militärischen Zone erklärt wird, verlieren die Indianervölker ihre Rechte auf Land und Bodenschätze.

"Während 487 Jahren haben wir die Grenze Brasiliens verteidigt. Deshalb glaube ich nicht, daß es Argumente für die Calha Norte gibt. Calha Norte bedeutet die vollständige Vernichtung der Indianer, die in diesem Grenzgebiet leben, da man nicht möchte, daß Indianer an der Grenze existieren." (Clóvis Ambrosio vom Volk der Wapixoma)

Exponat: Geld und Gott

  • Gemälde und Gedicht von Iracema vom Volk der Kaingang

Seitenbeginn

Recht schaffen

  • Zeichnung: Männer und Frauen bilden eine Kette, ihre Füße haben Wurzeln im Boden
  • Rechtsberatung vor Ort

Verarmung und Hunger sind direkte Folgen der Rechtlosigkeit der Menschen. Macht bricht Menschenrecht. Arme und Rechtlose müssen sich organisieren, um ihre Rechte einzufordern und sich vor staatlicher und wirtschaftlicher Gewalt zu schützen.

Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Belém, einer Millionenstadt an der Amazonasmündung, arbeitet inmitten dieser Menschen. Gemeinsam mit den Betroffenen und mit Menschenrechts-Organisationen bietet sie Rechtsberatung, Ausbildung und Sozialarbeit an.

In diesem Projekt, das von Brot für die Welt unterstützt wird, sind Betroffene nicht länger reine Objekte der karitativen Zuwendung, sondern sie werden zu Subjekten ihres eigenen Handelns.

"Ungerechte Strukturen haben oft ungerechte Verteilung von Macht zur Grundlage. Eine dementsprechende Verlagerung der Herrschaftsverhältnisse kann daher die Voraussetzung für größere Gerechtigkeit sein." (Denkschrift der EKD zum Kirchlichen Entwicklungsdienst, 1973)

Seitenbeginn