Länderheft O Brasil[ Blick hinter die Kulissen ] [ "Entdeckung" der Neuen Welt ] [ Die Einwandererkirche ] [ Geld oder Leben und Antworten der Kirche ] [ Entwicklungsplan Amazonien ] [ Menschen im Urwald ] [ Der Anfang vom Ende ] [ Convivencia ] [ Anhang zur Ausstellung ] Blick hinter die KulissenGliederung:
Unter Brasilien stellen sich viele riesige Urwaldgebiete vor, die von Indianerstämmen bewohnt und von der Zivilisation unberührt sind. Die Realität sieht anders aus: Jedes Jahr werden unvorstellbar große Flächen abgeholzt, verbrannt, verwüstet. Dadurch verändert sich weltweit das Klima. Und die noch etwa 200.000 Indianer in Brasilien verlieren ihre Lebensgrundlage. Bei uns versteht man unter "Waldsterben" die Zerstörung der Bäume durch Auto- und Industrieabgase. In Amazonien findet ein weit größeres Waldsterben statt. Dort werden jährlich Waldflächen in der Größe der BRD vernichtet.
Rio de Janeiro, die Traumstadt des Tourismus, ist für die meisten ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ein Alptraum. Neben den Hochhäusern und Villen der Reichen gibt es Hunderte von Elendsvierteln, die sogenannten "Favelas". Hier lebt die Mehrheit der Bevölkerung, die Armen der Stadt, auf engstem Raum. Und wenn im brasilianischen Winter der große Regen kommt, werden viele Hütten einfach weggespült.
Brasilien rühmt sich, ein multikultureller Staat zu sein, in dem Menschen der unterschiedlichsten Rassen und Nationalitäten harmonisch zusammenleben. Von Chancengleichheit kann jedoch - außer im Sport - nicht die Rede sein. Besonders die Schwarzen leben in einem Teufelskreis der Armut: Selbst die Kinder müssen mithelfen, das tägliche Überleben zu sichern. Sie bleiben ohne Ausbildung und ohne Chance, sich irgendwann einmal einen ausreichenden Lebensunterhalt zu verdienen. Die Armut in Brasilien ist nicht durch die Hautfarbe bedingt. Da aber fast alle Farbigen arm sind, bleiben es auch die Kinder.
Carneval, Samba, Copacabana: In den Hochglanzprospekten der Tourismusindustrie führen Brasiliens Frauen ein Leben voll Sonne und Glück. Der Alltag ist davon jedoch weit entfernt. Viele Frauen leben in den Favelas, den Armenvierteln. Oft genug fühlen sich ihre Männer dem Elend nicht gewachsen und machen sich aus dem Staub. Dann müssen die Frauen allein für die Familie sorgen. Sie und die Kinder tragen die Hauptlast der Armut. Die Männer Brasiliens haben eine ausgesprochene "Macho"-Mentalität.
Die Regierungshauptstadt Brasília ist ein Symbol für die Politik der Mächtigen im Lande: Auf dem Reißbrett entworfen, ist sie wie eine gigantische Festung aus Beton, Glas und Asphalt. Wo sich die Reichen des Landes gegenseitig die Gewinne zuschieben, ist für die einfachen Menschen kein Platz. Einige reiche Leute steuern die Politik und teilen sich die Gewinne. Mit den einfachen Menschen haben sie nichts am Hut.
Für uns ist die tägliche Tasse Kaffee eine Selbstverständlichkeit. Ein Drittel der weltweit geernteten Kaffeebohnen stammt aus Brasilien. Die den Kaffee anbauen, pflegen und ernten, erhalten nur einen Hungerlohn. Ein Geschäft ist der Anbau nur für Großgrundbesitzer und Händler. Der billige Kaffee ist das Geschenk der Armen an die Reichen.
Nirgendwo gibt es so viele Niederlassungen deutscher Firmen wie in São Paulo. In São José dos Campos werden mehr gepanzerte Fahrzeuge hergestellt als irgendwo in der Welt. Brasilien gehört zu den größten Rüstungsexporteuren. In Itaipu, an der Grenze zu Paraguay, liegt das größte Wasserkraftwerk der Welt. In Carajás befinden sich die größten Erzvorkommen der Welt. Die Verschmutzung in Cubatão wurde von der UNO als dunkelster Abschnitt der Industriegeschichte bezeichnet. In der alten Hauptstadt Salvador befindet sich das größte barocke Wohngebiet der Welt. Auf dem Höhepunkt des Kautschukbooms zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Manaus als reichste Stadt der Erde. 1950 entstand in Rio de Janeiro das Maracanhã-Stadion für 240.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. In Blumenau feiern die Nachkommen deutscher Einwanderer das zweitgrößte und mit 3 Wochen auch längste Oktoberfest der Welt. |