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"Solo Samba?" - Trends brasilianischer Musik
6.Brasilientag der Evang.-Luth. Kirche in Bayern

Dass die brasilianische Musik weit mehr zu bieten hat als "nur Samba", hatte Gelson Luiz da Silva am vergangenen Samstag (02.02.02) vor knapp 40 TeilnehmerInnen aus ganz Bayern am 6.Brasilientag - veranstaltet vom Kirchlichen Entwicklungsdienst Bayern, Lateinamerikareferat der ELKB und dem Martin-Luther-Verein Bayern - in der Ev.Stadtakademie München überzeugend dargestellt. Der Koordinator des nationalen Musikrates der Evang. Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien führte sein Publikum mit seiner Gitarre auf eine musikalische Reise durch die verschiedenen Epochen und sozialgeschichtlichen Hintergründe der brasilianischen Musikgeschichte: Von den Rhythmen der schwarzafrikanischen Sklaven über die cubanischen Einflüßen des "Habanera" und die nordamerikanischen Spuren im "Farha" (der Name kommt von den Plakaten mit der Aufschrift "for all" - "für alle", mit denen die us-amerikanischen Soldaten zu ihren Festen, während ihrer Stationierung im 2.Weltkrieg in Brasilien, einluden), bis zu den ursprünglichen Protestklängen der brasilianischen Jugend im "Bossa Nova".
Der ehemalige Briefträger, studierte Philosoph und Musiker aus Belo Horizonte im Bundestaat Minas Gerais, begeisterte durch seinen fundierten und abwechslungsreichen Vortrag ebenso wie durch seine feurigen Gitarrenklänge und Tanzeinlagen.
Nach einer kulinarischen Stärkung mit einer typisch brasilianischen "Feijoada" (Rote Bohnengericht mit Schweinefleisch und Orangen) und einem weiteren musikalischen Ohrenschmaus mit dem Münchner Chor "Cantares" in internationaler Besetzung waren die TeilnehmerInnen dann zum eigenen Nachdenken und Singen aufgerufen: In den vier verschiedenen Workshops wurden zum einen brasilianische Lieder aus Gottesdienst und Gemeindearbeit eingeübt, von denen einige sogar im Bayrischen Gesangbuch zu finden sind. Zum anderen wurde über die Einsatzmöglichkeiten von Musik in der pädagogischen Arbeit, v.a. Schulen diskutiert. Desweiteren konnte man sich über die Einflüsse christlicher Popularmusik in Deutschland informieren oder mit Gelson da Silva verschiedene aktuelle Musiktrends und Protestlieder sozialer Bewegungen in Brasilien kennenlernen: Lieder von Gilberto Gil zur Zeit der Militärdiktatur standen ebenso auf dem Programm wie die Hymnen der Schwarzenbewegung und der Landlosenbewegung "Sem terra".
Um einiges reicher an brasilianischen Melodien und Einblicken in den Glauben, das Denken und Handeln der BrasilianerInnen schmetterten die TeilnehmerInnen zum Abschluß noch das Gesangbuchlied "Singt Gott, unserm Herrn..." (EG 600) auf brasilianisch und deutsch.